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Geschirr aus NaWaRo

Nachwachsende Rohstoffe

Was versteckt sich hinter dem Begriff „Nachwachsende Rohstoffe“?

Unter dem Sammelbegriff „Nachwachsende Rohstoffe” werden eine Vielzahl land- und forstwirtschaftlicher Rohstoffe bzw. ein- oder mehrjährige Kulturpflanzen zusammengefasst. Diese werden auf entsprechenden Nutzflächen angebaut und ausschließlich zur industriellen oder energetischen Verwertung erzeugt. Nachwachsende Rohstoffe bilden sich ständig neu, binden Kohlendioxid und nehmen Syntheseschritte der Chemie in Naturprozessen voraus.

Positive Effekte

Pflanzen sind in der Lage mit Hilfe des Sonnenlichtes aus Kohlendioxid, Wasser und Mineralstoffen hochkomplizierte organische Verbindungen wie Stärke, Zucker, Proteine, Öle, Zellulose sowie sekundäre Inhaltsstoffe (Alkaloide, Gerbstoffe etc.) zu produzieren.

Weitere positive Effekte sind durch eine Aufwertung der Kulturlandschaft, die Bereicherung von Fruchtfolgen in der Landwirtschaft, die Entlastung der Agrarmärkte im Food-Sektor sowie die Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und der verarbeitenden Industrie gegeben.

Folgende Produktlinien gelten dabei im Sinne einer nachhaltigen Rohstoffbereitstellung biologischer bzw. nachwachsender Ressourcen als besonders erfolgversprechend:

  • feste und flüssige Kraft- und Brennstoffe
  • Öle und Fette
  • Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen, Naturfarbstoffe
  • Fasern
  • Holz

Als Thüringer Zentrum Nachwachsende Rohstoffe (TZNR) des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) wird eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Industrie und Handel beim Anbau, der Verarbeitung und Vermarktung nachwachsender Rohstoffe erreicht.

Angewandte Forschung zum Anbau und der Erstverarbeitung

Parzellen- und Feldversuche dienen der Suche nach neuen Pflanzenarten mit spezieller Anbaueignung und besonderen Inhaltsstoffen. Für aussichtsreiche Arten beginnt anschließend die Entwicklung von Anbauverfahren.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Entwicklung effizienter und umweltgerechter Produktionsverfahren für Industrie- und Energiepflanzen. Als Beispiele seien hierfür Raps, Öllein, Energiegetreide, alternative Energiepflanzen, Hirsearten, Gräser und schnellwachsende  Hölzer genannt.
Auch hier besteht ein enger Kontakt zu Forschungseinrichtungen und potenziellen Anwendern. Dabei konzentriert sich die Zusammenarbeit auf die Verarbeitung von Ölsaaten, Faser- und Arzneipflanzen sowie die Bereitstellung und Verwendung von Energiepflanzen für Biogasprozesse, Kraftstoffe und die Verbrennung.

Betreuung von Pilot- und Demonstrationsvorhaben

Im Rahmen von Förderprogrammen unterstützt der Freistaat Thüringen Pilot- und Demonstrationsvorhaben auf den Gebieten der Produktions- und Verwendungsalternativen für die Land- und Forstwirtschaft. Sie dienen der Gewinnung von Erkenntnissen für eine breite Praxiseinführung.

Information, Beratung, Marketing

Im Thüringer Zentrum Nachwachsende Rohstoffe existiert eine breite Datenbasis in Form von Veröffentlichungen, Forschungsberichten und Studien zu den einzelnen Produktionslinien. Zudem wird ein enger Kontakt zur Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. in Gülzow, zu Landes- und Bundesinstituten sowie entsprechenden Einrichtungen der einzelnen Bundesländer gepflegt. Über die geschaffenen Netzwerke ist eine kurze Verbindung zu Ministerien, Instituten, Weiterbildungsanstalten und Verbänden des Freistaates Thüringen gegeben. Mit Fachgesprächen, Feldtagen, Tagungen u. a. werden wichtige Informationen zu aussichtsreichen Produktlinien und Entwicklungen an interessierte Fachleute vermittelt. Die fachliche Beratung zu konkreten Projekten unter Hinzuziehung Thüringer Fachexperten sowie die Beratung zu Fördermöglichkeiten des Landes, des Bundes und der EU ist eine weitere wichtige Aufgabe. Unter dieser Internetadresse werden Veranstaltungstipps, Forschungsergebnisse, interessante Projekte sowie allgemeine  „News“ vorgestellt.

Folgende Arbeitsschwerpunkte bestehen:

  • Angewandte Forschung zum Anbau und der Erstverarbeitung
  • Betreuung von Pilot- und Demonstrationsvorhaben
  • Demonstration des Anbaus und der Verwertung
  • Öffentlichkeitsarbeit, Schaugarten und Dauerausstellung
  • Information, Beratung, Marketing
  • Pavillon Nachwachsende Rohstoffe

Weiterführende Informationen zu speziellen Pflanzen (nachwachsende Rohstoffe) finden Sie unter Publikationen und in den Feldversuchsberichten Ölfrüchte und Nachwachsende Rohstoffe

FELDVERSUCHSBERICHTE ÖLFRÜCHTE UND NACHWACHSENDE rOHSTOFFE

Energiepflanzen

Energiepflanzen bilden die Grundlage für die unterschiedlichsten Formen der Bioenergiegewinnung und werden speziell zu diesem Zweck angebaut.
Feste Bioenergieträger wie Energieholz (Pappel, Weide) und Nebenprodukte wie z.B. Stroh oder Landschaftspflegeholze sind für die Verbrennung prädestiniert.
Eine der wichtigsten Energiepflanzen in Thüringen ist der Winterraps, der die Basis für die Herstellung von Biokraftstoffen bildet. Diese können auch aus Getreide, Zuckerrüben oder lignozellulosehaltiger Biomasse gewonnen werden. Biogas wird derzeit insbesondere aus Mais, Getreide, Getreideganzpflanzen und Grünlandaufwüchsen gewonnen. Zukünftig werden auch verstärkt alternative Energiepflanzen wie Durchwachsene Silphie, Hirsearten oder Ackergras zur Biogasgewinnung angebaut.
Dabei sind die Übergänge zwischen den einzelnen Verwendungslinien oft fließend bzw. ergeben sich durch innovative technische und technologische Entwicklungen neuer Ansatzpunkte.

Ölpflanzen

Pflanzliche Öle und Fette wurden von den Menschen schon immer in zwei verschiedenen Nutzungsrichtungen verwendet, zum einen zur Ernährung und zum anderen für technische Zwecke.
Die Anbaufläche von Ölfrüchten beläuft sich in Thüringen auf ca. 120 000 ha, was etwa 1/5 der gesamten Ackerfläche entspricht. Hauptkultur ist dabei der Winterraps. Gewisse Anbaubedeutung haben auch Öllein, Sonnenblumen, Sommerraps und Rübsen. Für spezielle technische und industrielle Anforderungen werden auch Pflanzen, wie Saflor, Schwarzkümmel und Drachenkopf angebaut und verwendet.

 

Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen

Der Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen verfügt in Thüringen über eine lange Tradition. Diese konnte aufgrund des Know-hows der Thüringer Betriebe im professionellen Anbau unter Ausnutzung der standörtlichen Bedingungen bis in die heutige Zeit weitergeführt werden ( Thüringer Interessenverband Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen). Anerkannte wissenschaftliche Einrichtungen unterstützen die Landwirte. Thüringer Kräuter sind zu einem Qualitätsbegriff geworden. Mit einer Anbaufläche von jährlich 1.300 bis 1.500 ha gehört Thüringen bundesweit zu den Hauptanbauländern und bestreitet ca. 20 bis 25 % der 6.000 bis 6.500 ha umfassenden Gesamtfläche an Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen.

Faserpflanzen

Aus einer Vielzahl von Kulturpflanzen lassen sich Fasern gewinnen, die zur Vlies- und Garnherstellung in unterschiedlichen Einsatzbereichen geeignet sind.
Unter Thüringer Standortbedingungen kommen für die Fasernutzung nur Hanf und Faserlein bzw. Ölleinstroh in Betracht. In eingeschränktem Maße wäre noch an eine Nutzung der Fasernessel zu denken.
Aufgrund aktuell wachsender Potenziale sowohl im Bereich der Faserverbundwerkstoffe als auch auf dem Dämmstoffsektor sind für den Standort Thüringen Einsatzchancen im nichttextilen Bereich zu sehen. Verbundwerkstoffe, Dämmstoffe und Geotextilien stellen geringere Anforderungen an die Faserqualität. Neue, kostengünstige und vollmechanisierte mechanische Aufschlussverfahren befinden sich hierzu in der Praxiseinführung. Die höchste Faserertragsleistung je Flächeneinheit sichert im Vergleich der Faserpflanzen in Thüringen eindeutig Faserhanf mit einem potenziellen Ertragsniveau von ca. 2 t Fasern/ha. Aufgrund der Ertragsleistung von Hanf und dessen Faserqualität steht ein idealer Rohstoff für Anwendungen im Bereich der Kurzfasertechnologie zur Verfügung.

 

Nachwachsende Rohstoffe in anderen Anwendungen

Bauen und Dämmen mit nachwachsenden Rohstoffen hat in den letzten Jahren wieder stark an Bedeutung gewonnen. Baumaterialien aus der Natur sind ökologisch und haben keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt. Auch hier kommen lignozellulosehaltige Pflanzen (Holz, Stroh, etc.) und Faserpflanzen zur Anwendung.

Stand 26.11.2020

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